"Umweltprobleme sind etwas für reiche Länder, später, wenn wir mal selber reich sind, kümmern wir uns darum." Alexej Jablokow, Leiter Umweltpolitik-Zentrum.
"Ist die russische Natur noch zu retten?" fragt man sich nach diesem Statement. Die Gesetze sind in Russland, wa den Umweltschutz betrifft, sehr streng. Diese Tatsache beeindruckt jedoch niemanden, besonders nicht die Verantwortlichen in Wirtschaft und Industrie, denn sie wissen, dass davon so gut wie nichts umgesetzt wird. 1992 wurde das Umweltministerium und 1999 das Staatskomitee für Umweltschutz aufgelöst. Aus diesem Grunde sind praktisch keine Mitarbeiter mehr vorhanden, die die Umsetzung der Gesetze kontrollieren könnten. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache, dass dies der Wahrheit entspricht. Der grösste Teil der russischen Bevölkerung lebt in unzumutbaren Umständen. Circa 70% der Menschen trinken Wasser, das unter dem internationalen Standard liegt. Es gibt Flüsse, die radioaktiv verseucht sind. Ein Besuch in diesen Gegenden lässt einem erschaudern: eine hohe Fehlgeburtsrate, Krebs und körperliche Missbildungen gehören zur Tagesordnung. Es herrscht grosse Hoffnungslosigkeit und Frustration. Aber auch die Umweltverschmutzung durch Öl muss erwähnt werden. Ölförderungsfirmen lassen jährlich 28 Millionen Tonnen Rohöl auslaufen und verschmutzen die Wälder, Felder und Tundra. Die Förderungsverluste aus der Erdgasgewinnung werden sogar auf 50% geschätzt. Nicht zu vergessen ist der Atommüll, z. B. auf der Halbinsel Kola in Nordrussland, die als weltweit grösste Atom-Müllhalde bekannt ist.
Ein weiteres Problem ist das Desinteresse der Bevölkerung im Bereich des Umweltschutzes. Die PET-Gegenstände sind z. B. als solche gekennzeichnet, aber fast niemand sammelt und entsorgt sie ordnungsgerecht. Auch die Luftverschmutzung durch den Verkehr nimmt zu. Während sich einige Firmen wirklich bemühen, den Ausstoss von giftigen Dämpfen zu vermindern, gibt es immer mehr Autos auf den Strassen. Besonders in Moskau staut sich der Verkehr andauernd. Die Bewohner der grösseren Städte leiden deutlich mehr an Erkrankungen der Lunge. Eine harmlose Grippe kann - bedingt durch die geschwächten Atemorgane - zu schweren Erkrankungen führen.
Heute existiert in Russland wieder ein Umweltministerium. Dieses wird aber geschüttelt von Krisen, Beschuldigungen und Anklagen, denn würde man zu viel Geld für den Umweltschutz einsetzen, käme dies Russland teuer zu stehen.
Um die eingangs gestellte Frage positiv beantworten zu können, muss wohl noch einiges in Bewegung gesetzt werden, und zwar sowohl von Regierungsseite her, als auch von der Bevölkerung. Nur wenn für alle Beteiligten die Umweltfrage zu einem brennenden Problem wird, kann etwas erreicht werden. Hoffen wir es, zu Gunsten der Umwelt und der Menschen.
Quellen:
- Die Gazette, Ausg. Jan. 2003, "Ein Fass ohne Boden? Umweltschutz in Russland", Autor: Hans-Christoph Neidlein
- BBC News, Monday 25th November 2002, "Report outlines Russia's deadly pollution"
- Greenpeace Schweiz, Mehrsicht 2-02, "An der schönen blauen Techa - Verstrahlt, vertuscht, vergessen", Autorin Eva Geel, Atomkampagne Greenpeace Schweiz
- Russland aktuell, Donnerstag 14.12.2006, "Entlässt russisches Umweltamt Shell Ankläger Mitwol?", Autor cj/.rufo
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