Die Aussage, die der russische Dichter Fjodor Tjuttschew im 19. Jahrhundert über die Russen machte, hat auch heute noch nichts an seiner Gültigkeit verloren: "Mit dem Verstand ist Russland nicht zu begreifen, an Russland muss man einfach glauben."
Gastfreundschaft
Die russische Gastfreundschaft ist für uns erstaunlich, hat in Russland aber eine lange Tradition. Es ist empfehlenswert, grossen Hunger mitzubringen, wenn man zum Essen eingeladen wird. Das Auslassen eines Ganges gilt nämlich als Unhöflichkeit gegenüber dem Gastgeber und da ein Essen aus mehreren Gängen besteht, ist ein leerer Magen von grosser Wichtigkeit. Im Gegensatz zu der Schweiz ist es aber nicht unanständig, den Teller nicht leer zu essen, im Gegenteil. Wenn man ihn nämlich leer isst, meint der Gastgeber, man hätte nicht genug bekommen und füllt noch einmal nach...
Ist man für mehrere Tage bei einem russischen Gastgeber eingeladen, sollte man sich nicht darüber wundern, dass jede Minute verplant ist. In Russland gilt es nämlich als unhöflich, seinen Gast auc hnur einen Moment allein zu lassen oder ihm nichts zu bieten. Diese Tatsache ist jedoch auch umgekehrt zu beachten, wenn man russische Gäste zu Besuch hat.
Was ist bei Gesprächen zu beachten?
Für russische Gastgeber ist es wichtig, dass neben Smalltalk auch über Persönliches geredet wird. Dies gilt übrigens auch für Geschäftstreffen! Beliebte Gesprächstehemen sind Wertesysteme, Religion und Politik. Ausserdem lieben es die Russen zu philosophieren. Sie sind sehr belesen und zitieren deshalb auch gerne aus Büchern und Gedichten. Ausserdem erzählen sie mit Vorliebe Anekdoten zur Unterhaltung.
Heikle Themen werden jedoch so gut wie möglich vermieden. Es ist auch unüblich, direkte Anfragen mit einer Absage zu beantworten oder offen Kritik zu üben. Die Russen reden sehr oft "zwischen den Zeilen". Dies erfordert für uns grosse Aufmerksamkeit in den Gesprächen, um diese Zwischenbemerkungen zu erfassen und richtig zu interpretieren.
Geschenke
Der Austausch von Geschenken ist in Russland von grosser Wichtigkeit. Es ist unhöflich, bei einem Besuch ohne Geschenk zu erscheinen. Man muss sich aber auch nicht wundern, wenn man gleichzeitig ein Gegengeschenk erhält. Das ist in Russland üblich. Die Russen freuen sich über Souvenirs aus der Schweiz und schenken im Gegenzug Andenken aus ihrem Heimatland wie Matrioschkas oder handgemachte Arbeiten aus Holz und Porzellan.
Begrüssung und Verabschiedung
Die Russen sind im Gegensatz zu uns Schweizern wesentlich weniger reserviert. Der Körperkontakt, z. B. ein Schulterklopfen, gehört in der russischen Kultur dazu, sowie auch Blickkontakt in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Bei der Begrüssung und Verabschiedung ist es weise, die Distanz so zu wählen, dass ein Händeschütteln problemlos möglich ist. Man sollte sich jedoch darauf gefasst machen, dass Russen emotionaler reagieren und eine Umarmung vorkommen kann. Ein ungeschriebenes Gesetz ist es, dass niemals eine jüngere Person einer älteren die Hand entgegenstreckt, noch ein Mann einer Frau von sich aus die Hand geben will. Möchte die Frau mit einem Händedruck begrüsst werden, muss sie die Initiative ergreifen!
Noch wichtig zu wissen...
... ist die Tatsache, dass der russische Mensch nicht gerne in der Gegenwart lebt. Die Russen haben die Neigung, die Gegenwart als pessimistisch einzuschätzen, die Vergangenheit zu verklären und die Zukunft optimistisch zu betrachten. Der Schriftsteller Anton Tschechow meint dazu: "Der russische Mensch lebt gerne in Erinnerungen, weniger jedoch in der Gegenwart. Es scheint für ihn keine Gegenwart zu geben, sondern nur Vergangenheit und Zukunft. Das ist der wichtigste Charakterzug der Russen."
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