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Berichte aus Russland

Was läuft in der Obdachlosenverpflegung?

Obdachlose beim gemeinsamen Essen
Sozialarbeiter Alexander, der als Sozialkoordinator der Kirchgemeinde Syktyvkar (Republik Komi) angestellt ist, erzählt aus seinem Alltag: "Meine Arbeits- und Freitage unterscheiden sich eigentlich nicht deutlich voneinander. Ich bin auch heute um 6.30 Uhr aufgestanden, obwohl ich eigentlich hätte länger schlafen können. Um 7.00 Uhr habe ich dann die Vorhänge geöffnet und für meine Verwandten gebetet. Um 07.30 Uhr schaue ich mir die Post an, die ich erhalten habe. Ich bekam unter anderem einen Brief von meinem Onkel aus Kasachstan und einer von meinem Bruder aus Amerika. Danach trage ich Wasser in den Saal der Gemeinde, in dem wir die Obdachlosen verpflegen. Es hat auch eine kleine Küche dort. Das Wasser wird zum Kochen und zum Abwaschen benötigt, da wir bis jetzt aus Finanzmangel noch keine Wasserleitung legen konnten. Um 08.55 Uhr treffe ich mich dann mit dem Pastor und anderen Leitern in der Gemeinde zum gemeinsamen Gebet. Um 10 Uhr trifft dann mein Helfer für heute, Gena, ein. Ich habe 5 Helfer, die mich in der Obdachlosenverpflegung unterstützen, für jeden Wochentag einen. Heute sind auch noch einige Obdachlose gekommen um uns zu helfen, verschiedene Aufräumarbeiten zu erledigen, die sich im Laufe des Winters angesammelt haben. Dann kochen wir für 25 Leute ein warmes Mittagessen und beten kurz für alle, die kommen werden. Nach dem Kochen sause ich in den Laden, um frisches Brot für die Obdachlosen und auch für die Helfer zu kaufen, die später am Nachmittag kommen, wenn es kein Essen mehr gibt. Sie dürfen sich mit Sandwichs und Tee stärken. Ein- bis zweimal im Monat fahren wir in einen Grosshandel, um Vorräte für die Obdachlosenverpflegung einzukaufen. Da ich heute viel Arbeit habe, schicke ich Iwan, unseren Verwalter, mit der Einkaufsliste dorthin.

Um 13 Uhr sind die Vorbereitungen beendet und wir öffnen unser "Restaurant". Am Eingang kontrollieren wir die Menschen, die bei uns essen möchten. Eine Regel ist, dass betrunkene Obdachlose keinen Zutritt haben. Heute kommt eine Frau, die bereits angetrunken ist und diese Regel nicht akzeptieren wollte. Deshalb mussten wir die Polizei kommen lassen. Sie wurde innerhalb von 2 Minuten abgeholt.

Weiter geht es mit Essen und Gebet. Am Ende des Essens stellen sich neue Leute vor und ich halte eine Andacht zum Thema "Busse und Errettung". Am Nachmittag beten wir zusammen, reden über die Bibel und schauen manchmal christliche Filme, Comics oder Dokumentationen an. Während die meisten Gäste sich die Predigt von unserem Gemeindepastor zum Thema "Beim Brunnen Jakobs" anschauen, rede und bete ich mit jedem Besucher einzeln.

Fast immer gelingt es mir, mit wirklich allen zu reden und ihnen auch in praktischen Dingen wie z. B. dem Beschaffen von Dokumenten oder der Arbeitssuche zu helfen. Es sind zwischen 15 und 20 Gespräche täglich.

Um 16 Uhr schliessen wir den Raum für die Obdachlosen-Verpflegung wieder. Danach nehme ich an einem Gottesdienst mit Gebet teil. Später lerne ich, wie man die Predigten in der Kirche mit dem Videogerät aufzeichnen kann. Ausserdem schneide ich den zweiten Teil des Filmes über die Kirchgemeinde von 1996-97 zusammen. Dazwischen, um 21 Uhr und 23 Uhr, überprüfe ich das Kirchgebäude und schalte das Licht aus.

Danach entschliesse ich mich, Feierabend zu machen und schlafen zu gehen. Aber es klingelt an der Türe - jemand benötigt dringend Hilfe. Ich kann Lebensmittel abgeben. Dann ist wirklich Feierabend für heute..."

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