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Berichte aus Russland

Ein Tag im Leben einer russischen Sozialarbeiterin

Aljona erzählt einem Kind eine Geschichte
Ich komme normalerweise um 9 Uhr in den Strassenkinder-Club. Jeden Tag vor dem Essen erzähle ich etwas aus der Bibel. Heute rede ich zum Thema "Die Auferstehung Jesu". Ich bereite mich darauf vor und organisiere noch ein paar Lernspiele, von denen die Kinder etwas profitieren können. Um 11 Uhr kommt Venera. Sie besucht die erste Klasse. Aber da sie keine Möglichkeit hatte, sich auf den Schulbesuch vorzubereiten (in Russland muss man in der ersten Klasse bereits lesen und schreiben können), helfe ich ihr dabei und wir machen auch zusammen die Hausaufgaben.

Danach habe ich einen Termin auf dem Jugendamt, den ich wahrnehme. Doch bereits um 13 Uhr bin ich wieder im Club. Ein Kind nach dem anderen trifft ein. Sie bringen ihre Nöte, Probleme aber auch ihre Freunde mit. Heute habe ich ein persönliches Gespräch mit Kolja. Er hat Leim geschnüffelt und die Schule versäumt. Gegen 13.30 Uhr sind alle gekommen und ich fange mit meiner Unterrichtsstunde über die Bibel an. Danach bekommen die Kinder eine warme Mahlzeit. Nach dem Essen verlassen einige Kinder den Club, da sie noch einen Tanzkurs besuchen. Andere bleiben da, malen Bilder, waschen ihre Kleider oder flicken sie. Ljonja ist mit starken Zahnschmerzen gekommen. Er kann nicht essen und nicht sprechen. Seine Wange ist so dick, dass er das rechte Auge nicht mehr öffnen kann. Ich begleite ihn zur Zahnarztpraxis und spreche mit dem Oberarzt. Dabei erkläre ich ihm, was Ljonja für eine Junge ist und bitte ihn um eine kostenlose Behandlung, da Ljonja natürlich keine Versicherung hat. Obwohl er starke Schmerzen hat, dauert es lange, bis eine Entscheidung gefällt wird. Schlussendlich wird ihm geholfen und darüber bin ich sehr froh.

An diesem Tag komme ich spät nach Hause. Meine Familie erwartet mich sehnlichst. Ausserdem bereite ich mich schon auf den nächsten Tag im Club vor.

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